Wie es begann…

Das erste Laternenfest fand vom 28. bis 30.9.1935 statt. Eine Arbeitsgemeinschaft bestehend aus Hoteliers und Gastwirten sowie dem Bürgermeister und dem Geschäftsführer des Kur- und Verkehrsvereins hatten bereits seit 1934 Pläne für das Fest erarbeitet. Beweggrund war die Frage, wie man dem „darniederliegenden Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe der Stadt“ auf die Beine helfen könne. Als Vorbild schwebte dem Kur- und Verkehrsverein Geschäftsführer das „Wasserfest“ in Halle vor, bei dem der dortige Ruderverein bei Dunkelheit mit geschmückten und beleuchteten Booten über die Saale dahin glitt.

Bei einer großen Besprechung Anfang September 1935 versammelten sich im Sitzungssaal des Rathauses alle in Frage kommenden Personen – der Bürgermeister begrüßte Vereinsführer, die Schulleiter, Vertreter des Handwerks, des Einzelhandels und der Gastwirte, um die Festabläufe festzulegen. Von zahlreichen eingereichten Laternenfestliedern wurde letztlich das heute noch bekannte Laternchenlied, Musik und Text von Paul Grützner, ausgesucht.

Am Samstag dem 28. September 1935 zog als Auftakt des Festes eine Musikkapelle durch die Innenstadt, die feierliche Eröffnung erfolgte abends durch den Bürgermeister vor dem Kurhaus. Achtzehn Böllerschüsse ertönten vom Weißen Turm des Schlosses und gaben das Signal zum Entzünden der Laternen.

Schon damals gab es zwei Festzüge. Der „große Festzug der Kraftwagen“ startete abends in der Brendelstraße, das Thema lautete „Homburg im Licht“. Der zweite „Große Festzug mit Motorfahrzeugen und Pferdewagen“ stellte sich am Sonntag im Straßenzug Schöne Aussicht / Dorotheenstraße auf. Vor dem Kurhaus vergaben Preisrichter Geldpreise für die schönsten Festwagenwagen. Auch für den Lichterschmuck an den Hausfassaden gab es Preise.

Bis weit in die Nacht hinein wurde am Samstag gefeiert auf den Rummelplätzen und in den Gaststätten, im Ritters Parkhotel mit einer „Venezianischen Nacht“ und beim Laternenfestball im weißen Saal des Kurhauses. Am Sonntag gab es auf den Plätzen in der Stadt unterhaltsame Vorführungen, zum Beispiel ein Frühschoppenkonzert auf dem Kurhausplatz mit einer vierzig Personen starken Kapelle, Volkstänzen, nachmittags gab es Konzerte des Harmonikaringes und des Mandolinenvereins. Abends wurde in den Gasthäusern weiter gefeiert.

Der Montag wurde zum Ausklang der „Tag der Schulkinder“. Sie zogen mit ihren selbst gebastelten Laternen in Begleitung einer Musikkapelle über die Louisenstraße zum Kurhaus, wo Süßigkeiten verteilt und die schönsten Laternen ausgesucht und mit Geldpreisen bedacht wurden. Die Stadtverwaltung gab nachmittags dienstfrei und die Firmen wurden gebeten auch einige Stunden früher zu schließen.

Auch Transparente wurden bewertet und erhielten Geldpreise. Mehr oder weniger originelle Sprüche wurden gedichtet, so zum Beispiel hatte der Kurdirektor am Kurhaus den selbstverfassten Spruch „Der Ort der Gesundung für Reich und Arm: Bad Homburg das Heilbad für Magen und Darm“ und am Festwagen der Kurverwaltung „…zwickts im Gedärm, tut´s Bäuchle weh? Geh nach Bad Homburg vor der Höh!“ anbringen lassen.

Das erste Laternenfest wurde in der Nachbetrachtung sehr positiv bewertet. Bad Homburg habe nun „ein echtes volksverbundenes Laternenfest, das ein maßgebender Werbefaktor unserer Badestadt zu werden scheine“, dies habe „bereits in diesem Jahr der starke Besuch auswärtiger Gäste“ unter Beweis gestellt.

Das zweite Laternenfest folgte auf eine Weinwerbewoche und wurde vom 26. bis 29. September erstmals an vier Tagen gefeiert. Die Grundzüge aus dem Vorjahr wurden übernommen, es sollte aber alles noch größer und eindrucksvoller werden. Jedoch litt das Fest unter Kälte und Dauerregen, weshalb z.B. für die Festzüge fast die Hälfte der über 50 angesagten Wagen wegen „Durchweichen“ absagen mussten.

Das dritte Laternenfest wurde u.a. auch wegen der Erfahrung mit dem schlechten Wetter im Vorjahr auf Anfang September verlegt und fand von 4. bis 6. September statt. Eröffnet wurde es auf dem Marktplatz, wo vorübergehend ein Laternenbrunnen installiert wurde. Heute befindet sich dort der fest erbaute Laternenfestbrunnen, den der bereits verstorbene Bad Homburger Maler und Bildhauer Harry Freder gestaltet hat.

Das vierte Laternenfest war für 3. bis 5. September 1938 bereits geplant und weitestgehend vorbereitet, als es wegen eines Falles von spinaler Kinderlähmung in Oberursel zum Verbot der Festzüge als auch der Rummelplätze durch den Kreisarzt kam, auch der Kinderumzug am Montag musste abgesagt werden. So wurde nur in den Gaststätten und im Kurhaus gefeiert.

Ein Jahr später, als man Anfang September das fünfte Laternenfest feiern wollte, kam man über die Vorbereitungen nicht hinaus. Anfang August 1939 gab es die lapidare Mitteilung: „Das Homburger Laternenfest ist wegen der allgemeinen politischen Lage bis auf weiteres verlegt worden.“ Am 1. September brach der Krieg aus und erst 10 Jahre später, ab 1949, konnte das Laternenfest wieder stattfinden. 1951 wurde die erste Laternenkönigin gekürt.